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Wird der Jemen der nächste failed state?

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Krieg zerstört ihre Zukunft (Foto: FredFish)

Die Hintergründe für den saudischen Bombenkrieg im Jemen haben wir in einem vorherigen Artikel dargestellt. Saudi-Arabien ist mit seinem Bombenkrieg bisher gescheitert. Es hat nur Zerstörung gebracht, konnte die Huthis aber nicht entscheidend zurückwerfen. Der einzige wirkliche Gewinner ist derzeit al-Qaida (al-Kaida), welche ihre Position im Jemen seither beträchtlich stärken konnte. Auch der islamische Staat (ISIS) scheint sich im Jemen nunmehr einen festen Platz zu erkämpfen.

 

Die USA und die westliche Staatengemeinschaft, auch die Bundesrepublik Deutschland, tragen den Krieg Saudi-Arabiens mit. Angeblich würden die Huthis durch Iran nicht nur ideell, sondern auch militärisch unterstützt. Derweil ist bis heute aber kein einziger Beleg für eine substantielle iranische Unterstützung der durch Saudi-Arabien bekämpften Huthis veröffentlicht worden.

 

Jetzt hat sich die "Regierung" des Jemen, die sich nach Saudi-Arabien flüchtete und von dorthaus seither die Bombardierung ihres eigenen Landes beobachtet, mit einem Appell für eine Bodeninvasion an die UN gewandt.

 

Dieser Appell erfolgte wohl kaum ohne vorherige Absprache mit der saudischen Regierung. Denn die sogenannte "Regierung" des Jemen ist nicht mehr als eine Einrichtung von Saudi-Arabiens Gnaden. Es scheint um die legale Rechtfertigung für einen womöglich kurz bevorstehenden Bodenkrieg Saudi-Arabiens gegen seine Gegner im Jemen zu gehen.

 

Zu befürchten ist, dass die USA und die anderen Länder der westlichen Staatengemeinschaft weiterhin auf Linie mit ihrem Verbündeten Saudi-Arabien liegen werden. Sie berufen sich dabei auf die "demokratische Wahl" des "legitimen Präsidenten" Hadi, der vor seiner Flucht nach Saudi-Arabien 2012 in Wahlen ohne Gegenkandidaten und bei einer Zustimmungsrate von beeindruckenden 99,8% gewählt wurde!

 

Nach Irak, Libyen und Syrien scheint die westliche Staatengemeinschaft nach wie vor lernunfähig geblieben zu sein. Während Irak, Syrien und Libyen in gewalttätigem Chaos versinken und radikalste Islamisten, einschließlich des islamischen Staates, die Macht ergreifen, droht nun auch der Jemen in die endgültige Katastrophe gestürzt zu werden. Ein dramatisches Erstarken von al Qaida und islamischem Staat sowie eine enorme Fluchtbewegung könnten die Folgen sein, wenn das befürchtete Szenarium des Bodenkrieges Wirklichkeit werden sollte.

 

Derweil kennzeichnet sich die internationale mediale Reaktion auf den Krieg im Jemen nach wie vor durch weitgehendes Desinteresse. Saudi-Arabien führt im Bündnis mit einer Staatengemeinschaft aus Regimen, die die Menschenrechte verletzen, wie Sudan, Bahrain oder Ägypten, und mit voller Unterstützung durch die USA und die westliche Staatengemeinschaft einen Bombenkrieg gegen die Huthis, die die Hauptgegner von al Qaida und islamischem Staat im Jemen sind. Nunmehr schickt sich Saudi-Arabien womöglich an, mithilfe einer Bodeninvasion den Jemen, der bereits das "Armenhaus der arabischen Welt" ist, endgültig in einen failed state wie Syrien oder Libyen zu verwandeln. Von den Medien wird der Jemen und der dortige Krieg bisher nur randläufig zur Kenntnis genommen. Erst wenn die Flüchtlingsanzahlen steigen, dürfte das Interesse groß werden.

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