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Ansbach: Können Abschiebungen Attentate fördern?

(Kommentare: 11)

Bild: TUBS

Nach allen derzeit vorliegenden Informationen handelte es sich bei dem Attentäter von Ansbach um einen psychisch schwerst kranken Mann, dessen Suizidalität den bayerischen Behörden und dem Bundesamt bekannt war. Ein Therapeut sprach in einem Gutachten explizit von der Gefahr, dass der spätere Attentäter seine Suizidalität auch spektakulär umsetzen könnte. Das Gutachten war den Behörden ebenfalls bekannt.

 

Damit stellt sich eine brisante Frage: Haben die bayerischen Behörden und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), womöglich auch unter dem Druck einer auf Abschiebung setzenden Politik – diese Warnsignale ignoriert und dadurch die Umsetzung "spektakulärer Suizidfantasien" durch einen schwerst psychisch labilisierten und akut erkrankten Mann gefördert? Aus psychologischer Sichtweise deutet vieles darauf hin. Wie immer die Antwort ausfallen wird, sollte der Fall bereits jetzt den Behörden, dem Bundesamt und der Politik dringenden Anlass geben, ihre Abschiebungspolitik zu überdenken.

 

Eine forcierte Abschiebepolitik ist aus psychologischer Sichtweise sicher nicht dazu geeignet, Risiken zu senken, sondern dürfte gerade in der gegenwärtigen Atmosphäre eher dazu geeignet sein, die Umsetzung spektakulärer Verzweiflungs- und Racheaktionen zu bahnen. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Menschen mit Traumatisierungen und schweren psychischen Erkrankungen handelt, die suizidal sind und sich subjektiv in einer ausweglosen Situation erleben.

 

Sollte jetzt nach dem Attentat von Ansbach verstärkt auf Abschiebungen auch psyschisch kranker und labilisierter Menschen gesetzt werden, ist es letztlich nach Ansicht des Verfassers nur eine Frage der Zeit bis weitere - und gegebenenfalls noch verheerendere Attentate – von Personen mit Abschiebedrohung begangen werden. Politik, Ausländerbehörden und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stehen entsprechend nach Ansicht des Verfassers nicht nur in der Verantwortung, diesen Fall aufzuklären, sondern innezuhalten und ihre Praktiken zu überdenken. Sie sollten von Maßnahmen Abstand zu nehmen, die sich womöglich populistisch gut verkaufen lassen, aber in letzter Konsequenz die Sicherheit der eigenen Bevölkerung bedrohen.

 

Hintergrund

 

Der 27 jährige Flüchtling aus Syrien Mohammed Daleel hat sich am 24. Juli 2016 vor einem Weinlokal mit einer Rucksackbombe selbst in die Luft gesprengt, wobei er 15 Personen verletzte.

 

Bei dem Flüchtling handelte es sich um einen psychisch kranken Mann mit schweren Depressionen, Selbstverletzungen und Suizidfantasien. Das Störungsbild war so massiv, dass eine stationäre Behandlung notwendig war. Das schwere depressive Störungsbild wurde übereinstimmend durch einen psychotherapeutisch ausgebildeten und seit Langem in der Behandlung und Begutachtung traumatisierter Flüchtlinge tätigen Heilpraktiker und durch einen Facharzt für Psychiatrie festgestellt. So ergibt es sich jedenfalls aus Presseberichten.

 

Demnach schrieb am 11. Februar der behandelnde Facharzt, dass bei dem Patienten „ein schwer depressives, mit anhaltender Suizidalität verbundenes Zustandsbild“ vorliege.

 

Der behandelnde Therapeut schrieb in einem Gutachten demnach u. a. Folgendes:

 

"Herr D. ist ein extremer Geist und es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord spektakulär in Szene setzt." ... "Herr D. erwähnte, selbst auch Suizid-bezogene Gedanken zu haben, und sogar schon Vorbereitungen für den Fall der Abschiebung nach Bulgarien getroffen zu haben, weil er das Gefühl hat, keinen Einfluss mehr über sein eigenes Leben zu haben." ... "In jedem Fall ist aktuell bei dem Patienten ein schwer depressives, mit anhaltender Suizidalität verbundenes Zustandsbild bis auf Weiteres gegeben, welches aus unserer Sicht dringend der fortgesetzten psychiatrischen Behandlung bedarf."

 

Trotz dieser Sachlage, die als eindeutiges Warnsignal, ja als rote Flagge für eine imminente Gefahr zu bewerten ist, reagierte die nach Presseberichten zuständige Ausländerbehörde noch im März (!) 2016 mit der Bitte an das Bundesamt, eine Abschiebung nach Bulgarien zu prüfen. Diesem gab das Bundesamt letztlich statt, obgleich ihm das Gutachten vorlag und es von einer schweren Erkrankung mit Suizidgefährdung daher ausgehen musste. Schließlich forderte das Bundesamt den späteren Attentäter tatsächlich zur Ausreise auf und drohte ihm ansonsten die Abschiebung an.

 

Der Verfasser hat beim Bundesamt nach den Hintergründen gefragt, ihm wurde aber beschieden, dass aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben zu Personen möglich seien. Sicher ist, dass kurz nach der Entscheidung des Bundesamtes der mit Sprengstoff beladene Rucksack des Attentäters explodierte.

 

Psychologische Bewertung

 

Nach der psychologischen Einschätzung des Verfassers deutet derzeit vieles auf ein womöglich durch politischen und populistischen Druck verursachtes Behördenversagen hin. Womöglich hat dieses Behördenversagen sogar erst den Weg zum Anschlag gebahnt und ihn schließlich aus der subjektiven und krankhaften Sichtweise des in seinen Bewertungsprozessen psychopathologisch eingeengten Attentäters endgültig mit der Abschiebeandrohung durch das Bundesamt freigegeben.

 

Traumatisierte und an schweren mit Selbstverletzungen und Suizidgedanken einhergehenden Depressionen leidende Menschen bedürfen zum Eigenschutz - und bei vorliegenden Hinweisen auch zum Fremdschutz - einer kompetenten psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung. Diese kann jedoch nur erfolgreich sein und Risiken mindern, wenn die Grundbasis hierfür gegeben ist. Eine Abschiebeandrohung bei Traumatisierungen, schweren Depressionen oder anderen schweren psychischen Erkrankungen beeinträchtigt diese Grundbasis und kann ein erhebliches Erschwernis für eine Behandlung sein, kann deren Erfolg sogar unmöglich machen.

 

Der Verfasser möchte nicht missverstanden werden und in keinem Fall Panik vor depressiven Menschen schüren, die in aller Regel in keiner Weise eine Fremdgefährdung darstellen. Im vorliegenden Fall lag mit der gutachterlichen Aussage zu möglicher spektakulärer Suizidalität jedoch ein konkreter Hinweis für Fremdgefährdung vor. Dieser war Ausländerbehörde und Bundesamt nach den Presseberichten bekannt.

 

Aber auch bereits aufgrund der reinen Eigengefährdung, die in diesem Fall wohl nicht zu leugnen sein dürfte, ist es psychologisch nicht nachvollziehbar, wie es dazu kommen konnte, dass behördlicherseits eine Ausreise betrieben und eine Abschiebedrohung ausgesprochen wurde.

 

Es bedarf der dringenden Klärung, warum die Ausländerbehörde offenbar - trotz Kenntnis über ein schweres Störungsbild und bestehende Suizidalität - das BAMF darum ersuchte, die Möglichkeit einer Abschiebung zu prüfen? Ebenso bedarf es der Klärung, wie es möglich gewesen ist, dass das BAMF trotz der vorliegenden Informationen, die auf eine psychische Störung aller schwersten Ausmaßes verwiesen, den späteren Attentäter zur Ausreise aufforderte und die Abschiebung androhte?

 

Gefahr eines Teufelskreises der Eskalation

 

Politisch hat Bundeskanzlerin Merkel bereits die Richtung vorgegeben, über die sie diskutieren möchte: Eine verstärkte Abschiebung von Flüchtlingen sei zu prüfen. Damit aber droht die Politik die falsche Antwort zu liefern und womöglich eine Behördenpraxis zu verstärken, die in dem Selbstmordanschlag von Ansbach mündete.

 

Sollte sich aber eine solche Politik durchsetzen und Ausländerbehörden und das BAMF bei ihren Entscheidungen nunmehr künftig rote Flaggen für psychische Störungen, Suizidalität und Homizidalität generell ignorieren – so wie sie dies beim späteren Attentäter von Ansbach offenbar zuletzt taten – ist nicht mit einer Zunahme an Sicherheit, sondern einer Gefährdungszunahme für die Bevölkerung zu rechnen.

 

Wenn im schlimmsten Fall als Reaktion auf weitere Attentate erneut die falsche Medizin gegeben werden würde, könnte eine Spirale von Gewalt und Attentaten erzeugt werden, die hätte vermieden werden können, wenn statt populistischer Maßnahmen auf Vernunft und Augenmaß gesetzt worden würde.

 

Vernunft statt Populismus

 

In Zeiten von Forderungen nach Härte und Abschottung ist es nicht leicht, auf Augenmaß zu bestehen. Im Gegenteil, muss man damit rechnen, mit einer solchen Position mindestens von AfD- und Pegida-Kreisen sogar zum Unterstützer von Terror und Attentaten erklärt zu werden. Rufe nach Härte zahlen sich populistisch aus, Stimmen der Vernunft drohen so zu verstummen, nicht ernst genommen oder gar diffamiert zu werden.

 

Ähnliches ist aus Diskussionen zu Strafverschärfungen bekannt:

 

Obwohl die wissenschaftliche Befundlage eindeutig zeigt, dass Maßnahmen der Härte (Jugendarrest, früher verhängte und längere Freiheitsstrafen, weniger Bewährungen, verstärkte Anwendung des Erwachsenenstrafrechts, Erziehungscamps etc.) wirkungslos oder sogar schädlich sind, werden die Rufe nach Strafverschärfung immer wieder laut. Sie drohen sich gegen diejenigen durchzusetzen, die auf konsequente und wirksame Kriminalitäts-Prävention setzen. In gewisser Weise durchaus in Anbetracht der Positionierung von CDU/CSU bemerkenswert, hat der Verfasser diese Zusammenhänge vor einiger Zeit in einer Publikation der Adenauer-Stiftung ausführlich darlegen können.

 

Was für Kriminalitätspolitik und Strafvollzug gilt, gilt ebenso für die Ausländerpolitik:

 

Wer meint, angebliche oder tatsächliche Belastungen oder Gefährdungen durch eine forcierte Abschiebepolitik lösen zu können, treibt in Wirklichkeit lediglich die Illegalisierung im großen Stil voran und droht zudem in extremen Einzelfällen psychisch labile, traumatisierte und kranke Menschen in die Arme der ISIS oder anderer extremistischer Terrorgruppen zu treiben. Manches deutet derzeit darauf hin, dass eben dies auch beim Attentäter von Ansbach geschehen ist und hierfür die Ausländerbehörde wie auch das BAMF womöglich unrühmliche Beiträge geleistet haben.

 

Was wäre ein maßvoller und wirkungsvoller Umgang mit der Person des Attentäters aus psychologischer Sichtweise gewesen?

 

Nach der Meinung des Verfassers genügen bereits die jetzt vorliegenden Informationen, um mit Sicherheit von einer schweren psychischen Erkrankung und Suizidalität bei dem späteren Attentäter im Vorfeld ausgehen zu können. Ebenso genügen die Informationen nach Ansicht des Verfassers, um aussagen zu können, dass eine Aktualisierung von Suizidalität durch weiteren Ausreise- und Abschiebedruck mit erhöhter Wahrscheinlichkeit bereits vor dem Attentat zu erwarten war und hätte vorhergesehen werden können. Dies hätte die Ausländerbehörde und dies hätte das BAMF berücksichtigen müssen.

 

Nach Ansicht des Verfassers lagen aber auch mit dem Gutachten konkrete Hinweise für das Risiko einer durch forcierten Abschiebedruck steigenden Fremdgefährdung vor. Das Attentatsgeschehen von Ansbach erscheint letztlich bei Zugrundelegung der bisher bekannt gewordenen gutachterlichen Aussagen nicht als völlig überraschend, auch wenn es natürlich nicht in dieser Gestalt vorhersehbar war.

 

Um Selbst- und Fremdgefährdung wirksam reduzieren zu können, hätten die Behörden aus meiner Sichtweise die Voraussetzungen für eine effektive Behandlung schaffen müssen und können. Die Entfernung des Abschiebedruckes hätte womöglich einen wesentlichen Stressor und Auslöser für das Attentat entfernt.

 

Dem behandelnden Therapeuten war es bereits soweit gelungen, Vertrauen aufzubauen, dass er zu einer im Rückblick erschütternd präzisen Einschätzung gelangen konnte. Hätte er den therapeutischen Prozess ohne den Druck einer im Hintergrund stehenden Abschiebung fortsetzen können, wäre es ihm vielleicht gelungen, den späteren Attentäter noch besser zu erreichen, ihn zu stabilisieren und so von einer Umsetzung von Suizid- und Tötungsgedanken abzuhalten.

 

Ohne Frage ist dies spekulativ, als psychologisch gesichert kann aber angenommen werden, dass sich Abschiebedruck in solchen Fällen nicht positiv auswirkt und dass es daher den Versuch wert gewesen wäre.

 

Kontakte zu ISIS

 

Die oben getätigten Überlegungen gelten selbst dann, wenn der spätere Attentäter bereits im weitem Vorfeld vor der Abschiebedrohung, womöglich gar vor seiner Einreise, Kontakt zur ISIS gehabt haben sollte - wofür es derzeit keine Belege gibt. Der „typische und zu allem entschlossene ISIS-Attentäter“ dürfte sich nicht vor einem Attentat selbst verletzen, von Suizidgedanken sprechen, sowie sich stationär psychiatrisch und ambulant psychotherapeutisch behandeln lassen. Schon gar nicht dürfte er einem Therapeuten derartig tiefe Einblicke in sein Inneres gewähren, dass dieser auf die Möglichkeit eines spektakulären Suizides schließen konnte.

 

Warum nicht?

 

Weil ein solches Verhalten aus ISIS-Sicht kontraproduktiv wäre und der Umsetzung eines geplanten Attentates im Wege stünde. Selbst wenn der Attentäter also ISIS Kontakte im Vorfeld gehabt haben sollte, war er in Wirklichkeit offensichtlich psychisch hochgradig labil und eben nicht dazu entschlossen oder in der Lage, einen Selbstmordanschlag konsequent und ohne an die Außenwelt ausgehende Warnsignale sowie unabhängig von seinem eigenen Befinden zu planen und umzusetzen. Er hätte sich sonst nicht im Vorfeld selbst verletzt, hätte sich nicht in Behandlung begeben und hätte nicht von Suizidabsichten gesprochen. Dass die ISIS dies nun anders darstellt, kann sicherlich nicht als ein glaubhafter Gegenbeweis angesehen werden.

 

Hätten also die Behörden den Abschiebedruck entfernt, statt ihn zu verschärfen, wäre es womöglich im Rahmen einer erst dann vollauf möglichen Therapie gelungen, diesen Patienten auch bei bereits bestehendem ISIS-Kontakt einzubinden, ihn zur Offenbarung seiner ISIS-Kontakte und zum Abstandnehmen von den Attentatsplänen zu bewegen. Erneut ist diese Überlegung spekulativ, aber sie weist doch auf eine Möglichkeit hin, die durch den forcierten Ausreisedruck unmöglich wurde.

 

Abschiebung als Terrorexport

 

Was bedeutet es eigentlich, Attentate durch Abschiebungen verhindern zu wollen? Es bedeutet im Klartext, Terror durch Abschiebung in andere Länder zu exportieren oder mindestens die Möglichkeit eines solchen Exportes in Kauf zu nehmen. Eine echte Kriminalitätsprävention ist dies nicht. Wäre es wirklich ein Gewinn gewesen, wenn sich der Attentäter nicht in Ansbach, sondern in Bulgarien in die Luft gesprengt hätte?

 

Wenn die CSU jetzt gar von Abschiebungen in Krisenländer spricht, bedeutete dies im Übrigen nicht nur die Aufgabe aller rechtsstaatlicher und humanitären Maßstäbe - die ISIS würde sich wohl freuen - sondern es bedeutete zudem, dass ausgerechnet solchen Ländern weitere Terrorgefahren aufgebürdet werden würden, die bereits jetzt in ihren Grundfesten durch Terror zerrissen sind.

 

Aufklärung und Korrektur

 

Das Attentat von Ansbach sollte uns keinen Anlass geben, um über schnellere Abschiebungen und mehr Härte gegen Flüchtlinge nachzudenken. Anlass sollte das Attentat vielmehr geben, um womöglich schwerwiegende Fehlentscheidungen von Behörden aufzuklären und den populistischen Druck, der auf den Behörden lastet, zu entfernen.

 

Nach der Überzeugung des Verfassers war - völlig unabhängig von allen anderen möglichen künftigen Erkenntnissen – der Abschiebedruck gegen einen derartig schwerst psychisch erkrankten Menschen ein Fehler. Leider befinden wir uns aber in Zeiten, wo eine vernünftige und menschliche Ausländer- und Flüchtlingspolitik ein politisches Risiko ist, vor dem Politik und Behörden zurückzuschrecken drohen.

 

Wenn sich jetzt aber die Stimmen der Härte durchsetzen, wenn Aufklärung und Korrektur unterbleiben, besteht die Gefahr eines Teufelskreislaufs, der am Ende mehr Gewalt, weniger Rechtsstaat und mehr Tote produzieren könnte.

 

Verfrühte Schlüsse?

 

Wäre es nicht sinnvoller, zunächst alle Überlegungen zurückzustellen, bis der Vorfall aufgeklärt ist? Hiergegen spricht, dass die Politik bis hin zu Bundeskanzlerin Merkel längst dabei ist, Antworten zu geben und für verstärkte Abschiebungen zu plädieren. Genau dies wäre aber der falsche Weg. Zudem könnte sich die Diskussion vereinseitigen und Urteile könnten sich verfestigen, wenn nicht bereits jetzt auf die gegenteilige Möglichkeit hingewiesen werden würde. Ebenfalls muss berücksichtigt werden, dass weder die Ausländerbehörden, das BAMF noch ein maßgeblicher Teil der Politik ein Interesse daran haben dürfte, der Frage nachzugehen, ob eine voreilige Abschiebungspolitik womöglich den Weg für den Anschlag bahnte. Wenn diese Frage also nicht von anderer Seite aus aufgeworfen wird, ist mit einer Beantwortung nicht zu rechnen. Für den ersten Selbstmordanschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist Aufklärung notwendig, auch um Nachahmungen soweit als möglich zu vermeiden.

 

Verfasser: Guido F. Gebauer, Psychologe, Rechtspsychologe, Studium an den Universitäten Trier, Humboldt-Universität zu Berlin und University of Cambridge (UK), Promotion an der University of Cambridge, 10 jährige Tätigkeit als Gerichtsgutachter, arbeitet jetzt u. a. für die Kennenlern-Plattform Gleichklang.de und schreibt regelmäßig auf menschenrechte.eu und vegan.eu.

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Kommentar von Tobias Steinbach |

Die Abschiebung muss schnell und ohne Vorankündigung passieren dann kann auch keiner abtauchen ect. Wäre der Täter abgeschoben worden hätten wir keine Opfer in Ansbach. Jedes einzelne Opfer hätte verhindert werden können mit einer richtigen -Abschiebepolitik

Kommentar von Guido F. Gebauer |

Da irren Sie sich aber mächtig. Je repressiver Sie vorgehen, desto mehr Menschen werden gleich in den Status der Illegalität gehen, was letztlich Kriminalität erhöht. Bereits jetzt haben wir durch Verschärfungen offenbar immer mehr illegal lebende Menschen. Außerdem passt Ihre Anmerkung auch nicht, weil es doch hier gar nicht um den Vollzug einer Abschiebung ging! oder meinen Sie, sie wollen jedes Verfahren und jede Prüfung beenden und einfach jeden Menschen, der in dieses Land kommt, abschieben? Schließlich lesen Sie doch den Artikel noch einmal und zwar vor allem folgende Sätze: "Abschiebung als Terrorexport - Was bedeutet es eigentlich, Attentate durch Abschiebungen verhindern zu wollen? Es bedeutet im Klartext, Terror durch Abschiebung in andere Länder zu exportieren oder mindestens die Möglichkeit eines solchen Exportes in Kauf zu nehmen. Eine echte Kriminalitätsprävention ist dies nicht. Wäre es wirklich ein Gewinn gewesen, wenn sich der Attentäter nicht in Ansbach, sondern in Bulgarien in die Luft gesprengt hätte?
Wenn die CSU jetzt gar von Abschiebungen in Krisenländer spricht, bedeutete dies im Übrigen nicht nur die Aufgabe aller rechtsstaatlicher und humanitären Maßstäbe - die ISIS würde sich wohl freuen - sondern es bedeutete zudem, dass ausgerechnet solchen Ländern weitere Terrorgefahren aufgebürdet werden würden, die bereits jetzt in ihren Grundfesten durch Terror zerrissen sind."

Kommentar von Silke |

DANKE!!!!
Vielen Dank für diesen großartigen Artikel!
Ich habe gleich von Anfang an diesen Gedanken gehabt, wenn auch nicht so fundiert und detailliert.
Gewalt erzeugt Gegengewalt, wobei strukturelle Gewalt durch ihre Legalität nicht weniger brutal und verheerend ist.
Ganz herzlichen Dank auch dafür, dass Sie sich die Zeit und Geduld nehmen, um mit Andersdenkenden zu reden und Ihre Argumente aufzuzeigen.
Ich habe diese Kraft nicht. Deshalb brauchen wir Menschen wie Sie.

Kommentar von Joachim |

Mhh, in sich alleine mag dieses Argument vielleicht stimmig und konsistent sein, betrachtet man die größeren Zusammenhänge, wirkt es jedoch etwas wirr und nicht zu Ende gedacht. Folgt man der Argumentationslinie vom Terrorexport durch Abschiebungen weiter, wäre ja andererseits jede Aufnahme von psychisch labilen Flüchtlingen reiner Terrorimport. Was wäre die Konsequenz? Gar nicht mehr aufnehmen (Forderung von AfD etc) oder sollen sie lieber im Aufnahmeland spektakulär in Szene gesetzte Suizide durchführen, um das vom Bürgerkrieg gebeutelte Herkunftsland von solchen Aktionen „zu entlasten“?!
Betrachtet man die Gesamtlage wird klarer, dass eine erfolgreiche Asyl- und Integrationspolitik niemals ohne Zustimmung der Aufnahmgegesellschaft und –bevölkerung funktionieren kann. Und dafür sind solche Anschläge das allerschlimmste was passieren kann (da sind sich ja wohl zumindest alle einig). Und am meisten leiden darunter alle bereits hier lebenden Flüchtlinge (und arabisch aussehenden Ausländer insgesamt). Nicht Abschieben und Abwarten kann ja wohl nicht die Lösung sein, genauso wenig wie dies bei Gefährdern von IS-Terrorismus geht.

Kommentar von Andreas |

Na Gott sei Dank war der Typ ja geisteskrank. Dann sind wir ja die, die in Ordnung sind! Ja, die 125 ppm Suizide passieren alle nur, weil die Typen alle krank sind. Damit ist dann ja alles in schönster Ordnung. Ein Hoch auf die geistig Gesunden und unser weltbestes Gesellschaftssystem!

Aber ja, diese immense Gefahr durch diese furchtbaren geisteskranken Terroristen und Amokläufer ist schon bedrohlich. Und doch sind - rational betrachtet - die "Taliban-Bambies" viel gefährlicher (Chin Meyer) (1), was der Deutsche Jagdverband und der ADAC bestätigen (2). 2011 wurden polizeilich 2.361.457 Verkehrsunfälle erfasst und 323.380 Leichtverletzte, 68.985 Schwerverletzte und 4.009 Tote gezählt. (3) Da ist der ADAC mit seiner Kein-Tempolimit-Devise "Freie Fahrt für freie Bürger!" doch bei weitem kritischer zu betrachten! (Chin Meyer) (1) Von den geschätzten ca. 10.000 Toten (4), die nicht unwesentlich auf die vom Volkswagen Konzern vorsätzlich und illegal nicht gefilterten Stickoxide gehen, wollen wir lieber nicht reden, denn die Automobilindustrie ist ja der größte Arbeitgeber in Deutschland. Doch wenn jemand heroisch eine deutsche Straße betritt oder gar todesmutig ein Auto besteigt, hat er natürlich keiner Angst! Und wer ein Krankenhaus betritt, der lebt noch weit aus gefährlicher: minimal (!) 400.000 Krankenhausinfektionen und minimal (!) 10.000 Todesfälle (5). Aber das macht niemanden hysterisch - außer vielleicht die Hypochonder, aber die sind ja auch geisteskrank! So lasst uns fröhlich weiter tonnenweise Glucosesirup an unsere Kinder verfüttern (geschätzte 250.000 Tote p. a.), Milliarden an Tabak verdienen (geschätzte 110.000 Tote p. a.), systembedingt schon in Kindergarten und Schule Bewegungslosigkeit erzwingen (geschätzte 85.000 Tote p. a.) und Milliarden an Alkohol verdienen (geschätzte 75.000 Tote p. a.) (6) Um diese um den Faktor 100.000 höher liegenen Zahlen für die vier kausal verheerendsten Killer in Deutschland möglichst weiter zu ignorieren, damit das BSP weiter wachsen kann, kommt uns doch der eine oder andere "Verrückte", der sich in die Luft sprengt, gerade recht! Das setzt den Fokus dahin, wo es für uns total ungefährlich ist, wo man sich aber trotzdem prächtig echauffieren kann! Prost und gaudeamus igitur!

PS: Schon mal daran gedacht, dass die 10.000 Suizidanten ja vielleicht die rationalere Wahl getroffen haben?!

(1) https://www.youtube.com/watch?v=VTFWLbhvjnA (Wie hoch ist das Risiko? Chin Meyer bei Alfons am 15.03.2013: Die Bananenrepublik)
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Wildunfall#Deutschland
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Autounfall#Unfallstatistik_Deutschland
(4) http://www.eea.europa.eu/de/pressroom/newsreleases/zahlreiche-europaeer-sind-immer-noch/vorzeitige-todesfaelle-durch-luftverschmutzung
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Nosokomiale_Infektion#Deutschland
(6) Die Zahlen unterscheiden sich etwas von Quelle zu Quelle aber die Größenordnung stimmt überein.

Kommentar von Rainer |

Bitte unzensiert veröffentlichen:
Wie weit sind wir gekommen wenn wir uns von Zuwanderern erpressen lassen? Nach dem Motto: "Wenn ihr mich abschiebt, mache ich ein Blutbad."

Es wäre interessant sich wieder einmal um die Menschenrechte der Leute zu kümmern, die mit ihrer Arbeit den Wohlstand erwirtschaften.

Kommentar von Andreas |

Suizidanten erpressen niemanden, da wer tot ist, keinen Nutzen mehr hat, und genau das wäre das Ziel einer Erpressung. Das ist also Bullshit!

Und ja, es wäre wirklich wünschenswert, wenn die Menschenrechte der 30% unteren Mittelschicht endlich praktisch geachtet werden würden, und die Menschenrechte der 30% Unterschicht, und die Menschenrechte der Kinder in Deutschland, der Flüchtlinge, egal aus welchen Gründen sie kommen, und der Menschen in den Flüchtlingslagern... Aber vor allem wäre es wünschenswert, wenn diese Gruppen nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden würden. Das ist kein finanzielles Problem, sondern ein politisches; und je mehr sich gegeneinander ausspielen lassen, umso weniger wird erreicht. Jeder Euro, den man in ein Flüchtlingslager investiert, spart in Deutschland 29 Euro; aber dazu sind wir zu geizig. Jeder Euro, den man in ein Kind steckt, kommt 100-fach wieder; aber dazu sind wir zu geizig. Jeder Euro, den man in die Würde der Unterschicht und die Existenzsicherheit der unteren Mittelschicht steckt, kommt 1000-fach wieder, weil die Folgekosten nicht bezahlbar sein werden; aber dazu sind wir zu geizig...

Vielleicht hätte jemand dem Attentäter von Ansbach rechtzeitig sagen sollen, dass er besser in Syrien bleibt, weil es in Deutschland noch viel schlimmer wird. In Syrien hat er sich jedenfalls nicht umgebracht; er hatte sogar die Energie und den Mut die Flucht zu bewältigen, was wohl die wenigsten ordentlichen deutschen Michel leisten würden; Syrien hat ihn nicht fertig machen können; geschafft hat ihn offensichtlich *Deutschland*!

Kommentar von Rainer |

Entschuldigung den Bullshit gebe ich gerne zurück. In Ihrer Argumentation wächst das Geld auf den Bäumen oder man kann so viel drucken, wie man braucht.
Wäre interessant zu erfahren, wie die Rendite von 2900% zustande kommt, wenn man in Flüchtlingsheime investiert.
Noch einmal, die Menschen, die anderen mit ihrer Arbeit ein kostenloses Leben ermöglichen, haben auch Menschenrechte. Es ist eine bodenlose Unverschämtheit den einheimischen Bevölkerung zu unterstellen, sie würden Flüchtlinge psychisch krank machen.

Kommentar von Andreas |

@Rainer:

- Nein, sie müssen Geld weder biologisch anpflanzen, noch müssen sie Geld technisch drucken, es reicht, wenn sie es elektronisch, rein virtuell buchen. Das geht auch mit willkürlichen, völlig spontanen Wertschöpfungen in der Größenordnung von mehrstelligen Milliardenbeträgen, wie man z. B. an der Hypo Real Estate und der Deutschen Bank sieht. Sie denken vermutlich nur an die Geldmenge M0 und M1; relevant ist aber M3, die schon doppelt so hoch liegt plus allen frei definierbaren Werten wie Aktien und natürlich das gesamte rein spekulative Derivatvolumen, das weltweit mindestens 10 mal höher liegt. Dass dem tatsächlich so ist, sehen sie aktuell am Einbruch verschiedener Werte wie Volkswagen, Deutsche Bank oder auch den Schwierigkeiten die Yahoo hat. Die geplatzten Blasen 2000/2001 und 2007/2008 und der Skandal um die Rating-Agenturen und die Libor-Manipulationen sind noch dramatischere Beispiele. Mario Draghi zaubert so jeden Monat 60 Mrd. Euro aus dem Nichts. Stellschrauben für die Creatio ex nihilo in der Giralgeldschöpfung sind die Mindestreserve, die 2012 in Europa auf 1% (Faktor 100!) halbiert wurde (USA 10%, Schweiz 2,5%) und die Mindesteigenkapitalanforderungen für Kredite (Basel III), die seit 2014 qualitativ (Kernkapital) und quantitativ (in Summe 8%) strengere Vorgaben macht, damit aber immer noch Faktor 12,5 ermöglicht. Aktien können frei bewertet werden, z. B. durch Rating-Agenturen, sonst wäre es nicht möglich, dass Kurse plötzlich auf 50% zusammenbrechen, und die Fundamentalanalyse wäre erfolgreich, und Derivate sind ohnehin reine Wetten ohne realwirtschaftliche Basis, wie die toxischen Papiere in der Immobilienkrise überdeutlich zeigten.

- Der Faktor 30-35 ergibt sich aus den Investitionskosten, die für eine bestimmte Maßnahme in Flüchtlingslagern im Mittleren Osten vs. in Deutschland geleistet werden müssen. Siehe z. B. die Aussagen von Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Peter Balleis SJ, Internationaler Direktor des Jesuit Refugee Service JRS (Jesuiten-Flüchtlingsdienst) 2007-2014 (1). Die Gesamtsumme, die für die Krisenregionen im Mittleren Osten regelmäßig genannt wird, beträgt übrigens 10 Mrd Euro. Wenn man sich die 60 Mrd Euro ansieht, die Mario Draghi jeden Monat auf den Europäischen Markt wirft, ist das eine geradezu lächerliche Summe. Es geht dabei nicht um eine Gewinn maximierte Geldanlage, sondern 1. um die Rückzahlung unserer kausalen Schuld für die Fluchtgründe (systematische Destabilisierung zum Zwecke der Manipulation des gesamten Nahen/Mittleren Ostens im Krieg um Öl seit 1916 im Sykes-Picot-Abkommen und gegen das politisch benötigte Feindbild der Red Scare der USA gegenüber dem Kommunismus; Klimawandel; Globalisierung; globale Ökonomisierung), 2. weil wir am Schaden verdient haben und immer noch verdienen (Ölversorgung, generelle Exportorientierung, speziell auch die Waffenindustrie), 3. aus Gründen des Kategorischen Imperativs (speziell auch für jene, die sich für moralisch überlegen halten), 4. aus Gründen des Ökologischen Imperativs (vor allem in einer globalisierten Welt).

- Erstens sagte ich ganz sicher nie, dass der Attentäter von Ansbach "psychisch krank" gewesen sei, und deshalb sagte ich zweitens auch ganz sicher nie, dass ihn irgend jemand "psychisch krank" gemacht hätte! Ganz im Gegenteil erachte ich es entweder als Zeichen von Debilität oder einer massiven inhaltlichen Denkstörung, wenn jemand einen systemischen Aspekt individualisiert. Ich empfehle zum Thema Amok vor allem Joseph Vogl (2014, Figuren der Gewalt, Der Amokläufer): Amok ist eine Kriegstaktik in einer aussichtslosen Lage und ein Spiegel für die Umwelt. Fragen sie sich einfach nur, woher jemand, der den Anderen ganz offensichtlich nicht sieht und ganz offensichtlich nicht erkennt und ganz offensichtlich nicht versteht und auch ganz offensichtlich weder existenziell noch essentiell betroffen ist, das logische Recht nehmen sollte, einen Anderen zu beurteilen?! Ohne Wahrnehmung und Erkenntnis und Verständnis gibt es kein Urteil, weil es keine Begründung gibt. Eine persönliche existenzielle oder essentielle Betroffenheit gibt zumindest das Recht zu einer Bewertung.

PS: Anmerken möchte ich noch, dass die Menschen, die sie vermutlich im Sinne haben, ganz sicher nicht jene sind, "die anderen mit ihrer Arbeit ein kostenloses Leben ermöglichen", weil sie dazu erheblich mehr verdienen müssten. Und wenn ich als Angestellter ab 60.000 und als Selbständiger ab 120.000 Euro p. a. verdiene, dann zahle ich aus rein utilitaristischen egoistischen Erwägungen gerne die Sozialhilfe eines anderen, weil er mir, wenn ich ihn mit Sozialhilfe ins absolute Aus stelle, meine Verdienstmöglichkeit nicht mehr nehmen kann und ich damit dauerhaft sicher auf der wohlversorgten Seite stehe!

Wenn sie nicht mindestens in diese Einkommensklasse gehören, würde ich ihnen die Ansicht der Idee der Solidarität und Kooperation im Kommunitarismus empfehlen, weil das zum einen den Energieeinsatz für Konkurrenz, Kampf und Krieg minimiert und dafür ganz kostenlos durch Synergie und Emergenz Mehrwerte produziert (Axel Honneth, 2015, Die Idee des Sozialismus) und andererseits mit zunehmendem Vernetzungsgrad und Erreichen der materiellen Grenzen in der Globalisierung den einzig dauerhaft funktionierenden systemischen Ansatz darstellt, wie man aus der Thermodynamik, der Negentropie der Biologie und der Theorie komplexer Systeme zwanglos und anschaulich ableiten kann.

Den Thymos (Peter Sloterdijk) zu aktivieren, ist eine gute Sache, aber warum gegen andere Gruppen, die genauso geschädigt und verhindert worden sind, anstatt kooperativ, kommunikativ und solidarisch mit ihnen?! AfD und ähnliche Gruppierungen sind nicht deshalb zu kritisieren, weil sie Energie aktivieren, sondern weil sie auch (!) keine konstruktiven Werte stiften. Jedes intelligenzfähige System bedarf neben 1. Diversität (ist gegeben), 2. Vernetzung (ist gegeben) und 3. Werten (sind massiv erodiert) 4. der Erregung, die über die letzten Jahrzehnte immer weiter erlahmte und nun mit den radikalen populistischen Parteien europaweit wieder im Aufwind ist. Das intelligenteste Gehirn wird im Tiefschaf nichts intelligentes produzieren, aber ohne Werte weiß es nicht wie es was, wann zu tun hat (Peter Kruse).

(1) z. B. in: Denkzeit - Bekämpfung von Fluchtursachen, vom 19.03.2016, https://www.startpage.com/do/search?q=Denkzeit+Bekämpfung+von+Fluchtursachen

Kommentar von Dietmar |

Ob jeweiliger zu uns Geflüchtete, gleichgültig ob labil oder stabil, im Vorfeld bereits Kontakte zu IS, Al Nusra oder ähnlichen Terror-Organisationen pflegte, ließe sich im Falle Syrien sehr einfach feststellen. Doch dazu müßte man ja mit den syrischen Behörden, welche zum großen Teil über jene Informationen verfügen könnten, zwecks Informationsaustausch zusammen arbeiten. Jedoch ist dies leider völlig abwegig, denn jenes sind ja die "pösen" Behörden von Assad, und mit denen spricht man nicht, gelle.

Kommentar von Dietmar |

@Rainer:
Ob Arbeit für (vermeintlichen*) Wohlstand sorgt, hängt zum einen mal ab von der Produktivität und weiterhin von dem sich daraus resultierenden Mehrwert. Daß letzterer zur Aufrechterhaltung unseres Wohlstandes, trotz kontinuierlich gestiegener Produktivität, nicht mehr ausreichte, lag nicht an den Flüchtlingen, sondern vielmehr an der (ebenfalls zunehmenden) ungleichen Verteilung des Mehrwertes. So sind Einkünfte aus Arbeit in den vergangenen 20 Jahren stagniert, inflationsbedingt sogar zurück gegangen, während Einkünfte aus Unternehmertätigkeit und Kapitalanlagen in gleicher Zeit bis weit über 40% gestiegen sind.
Weiterhin muß man als weltweit drittgrößter Rüstungsexporteur schlichtweg anerkennen, daß jener Teil des damit für uns erarbeiteten sog. Wohlstandes, für das genaue Gegenteil davon sorgt, an eben jenen Punkten der Welt, wo dessen Rüstungsgüter zum destruktiven Einsatz kommen.
*) = vermeintlicher Wohlstand deshalb, weil wir schon lange nicht mehr arbeiten um zu leben, sondern im Gegenteil immer aufwändiger leben müssen um für die Zukunft noch genügend Arbeit zu haben. Ein Wohlstand, der sich einzig und allein daran bemißt, wie stark die Wirtschaft gewachsen ist, fragt auch nicht nach dem Sinn. Das führt dann zu dem Paradoxum, daß es uns besser geht, weil wir krank sind. Denn je mehr Krankheiten wir bekommen, desto mehr teure Medikamente müssen wir kaufen, desto besser geht es der pharmazeutischen Wirtschaft und damit (angeblich) uns. Genauso verhält es sich leider mit allem. Einfaches gesund sein oder zufrieden sein hat hierbei keinen Wert. Dazu müßte wieder die Vernunft und nicht der Profit der treibende Motor unseres Handelns werden, und davon sind wir noch weit entfernt.